
Pressespiegel
Neue Presse, Coburg:
Obermain Tagblatt, Lichtenfels:
Der Fränkische Tag, Bamberg (30.März.2001):
SCHNEY.
Der "Verteidigungsminister der Region Arabien" will gleich knallhart
reagieren: "Die Nordamerikaner wollten zum Nulltarif unser Öl, also
sollten sie unsere Bomben zu schmecken bekommen", bricht es aus dem jungen
Mann heraus. Er gehört zu einer Gruppe junger Leute, die eine Projektwoche in
der Frankenakademie auf Schloss Schney absolvieren.
Was der "Verteidigungsminister" so
bedrohlich ankündigt, ist glücklicherweise nur ein Spiel, das die Bundeswehr
zusammen mit einem Journalistenhilfskomitee veranstaltet. Seit einigen Jahren
bietet sie Jugendlichen die Möglichkeit, bei dem kombinierten Simulations- und
Rollenspiel POL&IS (Abkürzung für Politik & Internationale Sicherheit)
einen Einblick in die hohe Kunst der internationalen Politik und Wirtschaft zu
gewinnen. Seit Montag befindet sich nun eine Gruppe von etwa 40 Schülern aus
dem Oberstufenzentrum II aus Potsdam in der Frankenakademie auf Schloss Schney,
um in die Rolle von George W. Bush, Gerhard Schröder oder Wladimir Putin zu
schlüpfen.
Neu bei der
aktuellen Veranstaltung ist, dass zusätzlich zu den 40 deutschen Schülern zwei
junge Asylbewerber aus Lichtenfels mitspielen. Die Aktion, an der sich neben
der Bundeswehr die Journalistenorganisation "Internationales Komitee:
Journalisten helfen" beteiligt, richtet sich gegen Fremdenfeindlichkeit
und Intoleranz. Nikolai A. Behr, Geschäftsführer der Journalistenvereinigung:
"Wir betreten mit dieser Aktion Neuland, da wir uns mit Hilfsleistungen
bisher hauptsächlich im Ausland engagiert haben. Aber wir wollten mit der
Einbeziehung der jungen Ausländer etwas für den Abbau von Vorurteilen und die
Integration tun."
Ähnlich
äußert sich auch Oberleutnant Christopher Nolde, der als Jugendoffizier der
Bundeswehr in Potsdam für die Betreuung der jungen Frauen und Männer zuständig
ist. Der junge Offizier hofft, dass die Mitspieler Abhängigkeiten auf dem
internationalen Parkett begreifen und die Bedeutung von Kooperation und
Kommunikation verstehen lernen. "Die Beteiligung der Ausländer soll
Barrieren zwischen ihnen und den Potsdamer Schülern verschwinden lassen und
zeigen, dass im Bundesland Brandenburg mitnichten nur rechtsextremistische
Jugendliche leben", hofft Nolde.
Der Soldat
erläutert auch die Regeln von POL&IS: Die Spielwelt setzt sich aus elf
Regionen zusammen, die nach bestimmten politischen, wirtschaftlichen und
militärischen Merkmalen und aufgrund ihrer Geographie definiert werden. So gibt
es unter anderem West- und Osteuropa, Nordamerika, die ehemalige Sowjetunion,
Asien und Arabien. Für jede Region müssen die Mitspieler einen Regierungschef
und jeweils einen Vertreter von Wirtschaft, Militär und Opposition stellen.
Dazu gibt es noch eine Weltbank, die Kredite vergibt.
Diese
Regionen sind Oberleutnant Nolde zufolge auch Mitglieder in mehreren Organisationen,
darunter die UNO. Dieser steht ein Generalsekretär vor. Zusätzlich gibt es
Handelskonferenzen oder die Möglichkeit, bilaterale Abkommen zu schließen.
Mit den
drei Bausteinen Politik, Wirtschaft und Militär müssen die Spieler das
Weltgeschehen regeln. Eine besondere Rolle spielt im Übrigen der Umweltschutz,
der, wenn er vernachlässigt wird, erheblichen Einfluss auf die wirtschaftliche
Entwicklung einer Region hat.
Die
Mitspieler selbst sind nach einigen Tagen noch immer Feuer und Flamme für die
Simulation. Besonders die beiden jungen Ausländer aus Lichtenfels, die
18-jährige Salwa und Ali-Ali, 22 Jahre, bringen sich mit viel Engagement ein.
Während allerdings der junge Iraki, der seit über zwei Jahren in Deutschland
lebt, schon heißblütig werden kann, reagiert Salwa in ihrer Rolle als arabische
"Staatschefin" cool und überlegt. "Wir wollen mit allen Staaten
Frieden und mit dem Verkauf von unserem Öl unsere Bevölkerung nach vorne
bringen", erzählt das syrische Mädchen, das seit fast zehn Jahren schon in
der Bundesrepublik lebt. - Überhaupt zeigen sich alle Mitspieler überraschend
friedlich. Der Potsdamer Schüler Uwe, der den UNO-Generalsekretär mimt,
berichtet, dass zu Beginn des Spiels vor allem starke Länder wie Nordamerika
durchaus mit ihrer militärischen Macht Druck auf die schwachen Länder ausgeübt
hatten. Dies habe sich mittlerweile aber gelegt und alle Länder würden abrüsten
und kooperieren.
Ein wenig
Konfliktpotenzial bleibt natürlich bestehen. So bastelt der nordamerikanische
Präsident, der 19-jährige Thomas, an einer Wirtschaftsoffensive gegen
Westeuropa. Seine Atomwaffen hat er aber mittlerweile abgerüstet. Und so zeigen
sich die Leiter des Spiels auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Schließlich
verzichtet auch der arabische Verteidigungsminister auf Krieg. "Die Welt
funktioniert auch ohne Krieg, aber man weiß ja nie", sagt Ali-Ali mit
einem Schmunzeln.
hust
[Erfahrungsbericht der Teilnehmer]
[Grundsätze] [Referenzprojekte] [Projekte] [Vorstand] [Satzung] [Informationen] [Spenden] [Links]
© 2008 by brain script